Der General

Erster General der Schweiz

Bachmann-Anderletz_1817

(27.3.1740-11.2.1831)

Vollständiger Name gemäss Taufurkunde: Nicolaus, Leodegarius, Franciscus, Ignatius von Bachmann

Konfession: römisch-katholisch

Wappen der Familie Bachmann von Näfels

Wappen der Familie Bachmann von Näfels

Jugend, Ausbildung und militärischer Aufstieg in fremden Diensten

Aus bedeutender aristokratischer Glarner Offiziersfamilie. Zweiter Sohn des Feldmarschallls Karl Leonz v. Bachmann (1683-1749) von Näfels und der Maria Elisabetha Ignazia (1710-1779), der Schwester des Luzerner Staatschreibers Franz Anton Leodegar Keller von Luzern und der Anna Maria Catharina Barbara Dorothea Schnyder v. Wartensee. Kindheit im Freulerpalast Näfels, dann Ausbildung am Jesuitenkollegium „Stella Matutina“ in Feldkirch und am Nazarenerinstitut in Rom. 1756 Eintritt in franz. Solddienst. 1758 Fähnrich in der Kompanie seines Bruders Karl Josef Anton Leodegar (1734-1792), 1759 Kommandant einer eigenen Kompanie im Regiment Widmer, 1768 Major im Regiment Boccard, 1773 Oberstleutnant, 1778 Träger des St. Ludwigsordens, darnach Ausbildner von Infanterietruppen in der Bretagne für ihren Einsatz in Amerika, 1779 Oberst, 1789 Mitglied des Oberkriegsrats. Massgeblich an der Abfassung des französischen Kriegsreglements von 1791, einer wegweisenden Vorlage für fast alle europäischen Armeen, beteiligt. Ein französischer Militärschriftsteller lobte ihn deswegen noch 10 Jahre später: „l’un des plus habiles d‘ entre officiers, qui etaient jadis au service de France“.

Mit Ausbruch der franz. Revolution zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung nach Rouen beordert, wo er für den sicheren Waren- und Lebensmitteltransport von Le Havre nach Paris zuständig war. 1791 übertrug ihm der König das Kommando der oberen Normandie. Nach dem blutigen Tuileriensturm vom 10. August 1792, der seinem Bruder Karl Leodegar das Leben auf dem Schafott kostete, entkam B. nur unter Zurücklassung seiner ganzen Habe den aufständischen Schergen. Über

Bild Bachmann

Niklaus Franz von Bachmann An-der-Letz in französischer Unform mit Ordensband.
Im Hintergrund Linthebene und Glarneralpen
Oelbild von Felix Maria Diogg. 1817.
Original im Schweizerischen Landesmuseum Zürich

Belgien gelang ihm die Flucht in die Heimat, wo er anfangs November 1792 bei seiner Familie in Näfels eintraf. Diese hatte er 1761durch Heirat mit Maria Dorothea (1738-1804), der Tochter des Obersten Johann Balthasar Müller (1694-1765) gegründet. Der Ehe entsprossen vier Mädchen; zwei verstarben im Kindesalter, die beiden andern: Elisabeth Dorothea Aloisia heiratete 1781 den st. gallischen Senator und Regierungssekretär Ignatius Anton von Müller und Josepha Antonia 1797 den glarnerischen Landammann und Obersten Fridolin Joseph von Hauser aus der Beuge in Näfels, den ersten eidgenössischen Staatsschreiber.


Ein eigenes Regiment

Als entschiedener Gegner der französischen Revolution blieb B. nach seiner Flucht nicht untätig. Er organisierte von seinem Wohnsitz aus mit Hilfe seines Schwagers Franz Josef und dessen Sohn Karl Müller von Friedberg, dem späteren Begründer des Kantons St. Gallen, unter den Auspizien des Fürstabtes Beda Angern und des Landes Glarus, ein st.gallisch fürstäbtisches-glarnerisches Regiment für das Königreich Sardinien-Piemont. Am 6. April 1793 wurde dieses vereidigt und B. zu seinem Kommandanten ernannt.

Bachmann zu Ross

Bachmann als Generalmajor in sardinisch-piemontesischen Diensten.
Ölgemälde von Josep Forti (?) Turin 1796.
Im Eigentum des Museum des Landes Glarus

1794 erfolgte seine Beförderung zum Generalmajor. Es gelang ihm die Franzosen aus dem Aostatal zu vertreiben und dieses bis zum Friedenschluss von 1796 freizuhalten. Unter dem Druck von Frankreich entstand 1797 die „Cisalpinische Republik“. Der König wurde vertrieben, B. 1798 verhaftet, nach Mailand überführt und später unter Hausarrest und die Aufsicht des Regierungsstatthalters des Kantons Linth, Johann Jakob Heussi, gestellt.

 

Das weisse Kreuz im roten Feld

Für B. änderte sich die Lage als 1799 der 2. Koalitionskrieg gegen Frankreich ausbrach und die Ostschweiz von den Franzosen befreit wurde Er erhielt den Oberbefehl über die Schweizer Emigrantenregimenter in österr.-brit. Diensten. Nach der verlorenen zweiten Schlacht bei Zürich und dem Rückzug in die Winterquartiere am Bodensee überreichte er im Frühjahr 1800 in Schwabmünchen seinem Regiment zwei Fahnen mit dem weissen frei schwebenden Kreuz auf rotem Grund, dazu erhielt jeder Soldat als Erkennungszeichen eine rote Armbinde mit einem weissen Kreuz. Mit diesem denkwürdigen Akt erweckte Bachmann ein längst auf Bannern vergessenes gemeineidgenössisches Zeichen zu neuem Leben. Dieses setzte sich dann im Laufe der Jahre langsam durch und wurde später zum heute noch gültigen Landesemblem. Für Gottfried Keller war das „ein Steinschnitt im Gewölbe unseres Vaterlandes“.

Truppenetat

Truppenetat 1799.Kontoführung der ausgegebenen Gelder des Schweizer Korps in englischen Diensten im August und September 1799, von Bachmann als General und von anderen, u.a. von Generalmajor Robert Craufurd (1741—1812)

Das Regiment B. musste kurz darauf dem Druck der Franzosen weichen. Während die Aggressoren an der Donau bis nach Bayern vorrückten, zog es ins Bludenzertal nach Frastanz. Später wurde es ins Engadin verlegt.

Regiment

Truppen der Legion Bachmann um 1800.
Bild im Eigentum des schweizerischen Landesmuseums

Als der französische General Moreau die Armee des österreichischen Erzherzogs Karl entscheidend zu schlagen vermochte, wurden Bs. Soldaten in die Steiermark abgezogen. Nach dem Frieden von Lunéville löste man das Regiment 1801auf. B. verblieb bis April 1802 in München. Eine mit Neapel geplante Kapitulation und auch das Projekt einer nachfolgenden schweizerischen Legion kamen nicht zustande.

Der Stecklikrieg

Die Zustände, die damals in der Schweiz vorherrschten, waren katastrophal. Die fremde, aufgezwungene helvetische Verfassung entfachte den Widerstand der Bevölkerung. Ein Staatsstreich folgte dem anderen. 1802 erhielt B. von der Tagsatzung das Oberkommando über die konföderierten Truppen, mit welchen er der verhassten, von Frankreichs Gnaden abhängigen, helvetischen Regierung in Lausanne ein Ende setzen sollte.

Stecklikrieg

Aus Historia und Bericht des Feldzugs der Eydgenossen gegen die Helvetier.
Der Verfasser ist Karl Ludwig Stettler.
Publiziert im:Berner Taschenbuch von 1860

Im sogn. „Stecklikrieg “ obsiegte er anfänglich. Nur das Machtwort Napoleons vermochte seinen Siegeslauf aufzuhalten. Darauf brach die föderalistische Bewegung auseinander. Die Armee wurde aufgelöst. Unter dem Kommando von General Ney drangen französische Einheiten in die die Schweiz ein. Die Mediationsakte löste die Helvetik ab. B. floh nach Konstanz. Den Winter 1802/03 verbrachte er in Norddeutschland und in Dänemark. Erst als 1804 die französische Okkupationsarmee die Schweiz verliess, wagte er sich nach Hause, wo er sehr ungünstige Verhältnisse antraf: drückende finanzielle Sorgen bei ihm selbst und in der Familie seines hingerichteten Bruders. Dazu kam 1804 der Tod seiner Frau und eine lang andauernde Krankheit seiner ältesten Tochter Maria Anna Elisabetha Dorothea Aloisia. Er liess sich trotz dieser Tiefschläge nicht davon abhalten mit seinem Traktat „Das letzte Wort eines Greises im Kanton Glarus an sein Vaterland“ am Wiederaufbau der neuen Schweiz aktiv mitzuwirken. Er forderte die Schweizer zu Einigkeit und Wehrbereitschaft auf, wobei ihm vor allem die Erziehung der Jugend, die Ausbildung der Lehrer und die Bekämpfung der Armut am Herzen lagen. Als die Grossmächte 1813 in die Schweiz einrückten, gehörte B. zu den Gesinnungsverwandten des Waldshuter Komitees, das sich für den Einmarsch der Alliierten stark gemacht hatte. Napoleon wurde in der Völkerschlachten bei Leipzig und Waterloo von der Allianz besiegt und nach Elba verbannt. Als er am 26. Februar 1815 von dort ausbrach, wurde die Lage für Europa wiederum kritisch. Die Nachricht verschlug nicht nur den politischen Behörden fast den Atem, sondern auch die Militärorgane wurden zu lebhafter Daseinsbejahung aufgerüttelt, um dem wiedererstandenen Ursurpator unverzüglich Einhalt zu gebieten. Zum Schutz der Grenzen mobilisierte die Tagsatzung ihre Truppen und ernannte B. zu ihrem Oberbefehlshaber. Der Auftrag an ihn war aber derart schwammig, dass dies im Verlaufe der Grenzbesetzung zu grossen Schwierigkeiten führen musste.

Der Feldzug von 1815

Die Mobilmachung schritt nur langsam voran. Den meisten Kantonen fehlte es an Ausrüstung und Geld. „Schwer sind auf unser Vaterland die Folgen eingerissener Planlosigkeit gefallen“ moniert der General. Umso mehr versuchte er der Armee das nötige Selbstvertrauen einzuflössen. So verfügte er am 1. Juli

Unterschrift

Eigenhändige Unterschrift des Generals

1815, es sei wegen der Verschiedenheit der Uniformen und Kokarden der eidg. Armee ein sichtbares Erkennungszeichen , nämlich am linken Arm ein Armband von scharlachrotem Tuch mit einem weissen Kreuz zu tragen. Damit wird B. endgültig zum Wiederentdecker des weissen Kreuzes auf rotem Grund.

 

Bachmann in Uniform

 

Bachmann in der Uniform des
Schweizergenerals mit der roten
Armbinde

 

 

 

Schweizer Kreuz

Von den aus Frankreich 1815 heimkehrenden Söldnern wurden auf Anregung von General Bachmann vier. Linienbataillone gebildet und ihnen diese von der Tagsatzung in Auftrag gegebene erste Bataillonsfahne der Schweizerarmee überreicht

Im Gegensatz zur früheren Kordon-Aufstellungen an der Grenze bezog er mit seiner Armee erstmals drei zentral gelegene Stellungen zwischen dem Neuenburgersee, Solothurn und Aarberg, um mit der ihm zu Gebote stehenden Kräften dorthin vorstossen, wo sich allenfalls Feinde zeigten. An dieses Konzept knüpfte die spätere Reduittaktik an.

B. hatte im Verlaufe der Grenzbesetzung von der Tagsatzung die Kompetenz erhalten, bei drohender Gefahr die Grenzen zu überschreiten. So liess er auf die Beschiessung von Basel seine Truppen in die Freigrafschaft einmarschieren.

Truppen im Berner Jura

1815 Eidgenössische Truppen  im Besammlungslager bei Jougne im Berner Jura.
Bild Schweizerisches Landesmuseum Zürich

Der Vormarsch verlief nicht ohne Zwischenfälle. Eine Brigade weigerte sich gar die Grenze zu überschreiten. Es brach offene Meuterei aus, die aber rasch unterdrückt werden konnte. Angesichts der wankelmütigen Tagsatzung liess es B. mit der Besetzung einiger Grenzbezirke bewenden. Verpflegungsschwierigkeiten, eine eigenwillige Politik der Tagsatzung und der Kantone sowie Querelen im eigenen Lager veranlassten ihn schliesslich seine Truppen wieder auf Schweizerboden zurückzuziehen

Damit nahm der letzte, sehr kostspielige, schweizerische Offensivkrieg sein Ende. B. legte am 26. Juli 1815 verbittert das Kommando nieder. Der Rückblick darauf enthält der „Bericht des gewesenen Eidg. Ober-Generals über die Bewaffnung v. März -Juli 1815“, welcher in den eidg. Abschieden von 1816 abgedruckt ist. Schärfer als jede andere Quelle deckt er die damaligen desolaten Verhältnisse der Schweiz auf. Insbesondere der Ruf nach einer einheitlichen Uniformierung, nach einer besseren Ausrüstung und Ausbildung von Offizieren und Soldaten, einer gemeinsamen Militärkasse, einer zweckmässigen Heerespolizei und einer brauchbaren Landeskarte brachten unserer Armee neue Impulse. Bs. Forderungen wurden damit zu wichtigen Pfeilern auf dem schmerzhaften Weg zum Bundesstaat von 1848.

Ausblick und Würdigung

Am 12. Juli 1816 erhielt B. von der Tagsatzung als Anerkennung für seine geleisteten Dienste während den 100 Tagen Napoleons eine Dankesurkunde mit dem wärmsten Dank des Vaterlandes und einen goldenen Degen mit der Inschrift „Pro Patria“, was ihn mit grossem Stolz erfüllte. Auch erhielt er von König Ludwig XVIII. die ehrenvolle Berufung zum Generalinspektor über alle Schweizer Söldner in Frankreich. Altershalber lehnte er dieses Angebot ab und empfahl dafür den Freiburger Niklaus Gady.

Haus-an-der-Letz

Haus An-der-Letz.  1963 unter den Schutz des Bundes gestellt.

Erbaut 1604 .Nach dem helv. Kadaster von 1801 im Besitz des Generals, resp. seiner Frau Dorothea. Letzte Besitzerin war Mathilde v. Müller(1835-1918). Sie vermachte Haus und Hof dem Tagwen Näfels mit der Bestimmung darin ein Heim für Waisenkinder einzurichten.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in seinem mächtigen Haus-An-der-Letz, wo er sich insbesondere der Pflege seines Gartens mit seinen Obstbäumen widmete. Bis zuletzt blieben ihm geistige Frische und körperliche Rüstigkeit erhalten. Er starb nach einem Sturz am 11. April 1831 in Näfels.

Gobeline

Bachmann konnte mit Faden und Zwirn ebenso gut umgehen wie mit dem Schwert. In dienstlosen Zeiten  stickte er zuhause Gobelinemöbel.
Auf dem Bild das Kloster Einsiedeln.
Möbel aus dem Besitz der Familie W. Geel Bern , ausgestellt im Freulerpalast Näfels

In vielem war B. seiner Zeit voraus. Seine Ideen fanden Eingang in den Bundesvertrag von 1815 und insbesondere ins Militärreglement von 1817. Auch für die späteren Generäle Dufour und Herzog waren sie von grossem Nutzen. In den Annalen der Geschichte wird darum B. als bedeutender Heerführer, als Wahrer und Förderer der schweizerischen Einheit in schwierigen Zeiten sowie als Wiederentdecker des frei-schwebenden weissen Kreuzers im roten Feld  stets einen festen Platz einnehmen.

Literatur

Eigene Schriften

Das letzte Wort eines Greisen im Kanton Glarus an sein Vaterland. Glarus 1814
Gedanken eines guten Schweizers der alten Zeit über unser Militär. Näfels 1823 (ungedr)

Biographisches

Fischer, Emanuel Friedrich, von. Zum Andenken des Fryherrn Niklaus Franz von Bachmann An-der-Letz (1740-1831). Zürich 1831
Müller, Niklaus. Grabesblumen. Glarus, Fridolin Schmid,1831
Bürkli, Adolf. Niklaus Franz von Bachmann an der Letz, General der Eidgenössischen Armee in den Jahren 1802 und 1815. In: Njbl. der Feuerwerkergesellschaft, Zürich 1882
Dinner, Fridolin. General Niklaus Franz von Bachmann. In: Jahrbüchern des hist. Vereins  des Kantons Glarus, Heft  X/1874 u. XIV/1878
Sendelbach, Frédéric, de. Le Baron de Bachmann Anderletz. Patricien glaronais au service de Bourbons 1740-1831. Paris 1944
Laupper, Hans. General Niklaus Franz von Bachmann, eidg. Oberbefehlshaber im Feldzug v. 1815 (ein Beitrag zur Kriegsgeschichte der Schweiz). Juris-Verlag 1974 (Diss)
Ders. General Niklaus Franz von  Bachmann An-der-Letz. Söldnerführer und erster Schweizer General 1740-1831. In: Grosse Glarner. Tschudi, Glarus, 1986. S.95-103
Hochstrasser, Jean Marc. General Niklaus Franz v. Bachmann – sein Feldzug in die Freigrafschaft Burgund 1815. (2006, Lizentiatsarbeit)
Wiget, Josef. General Niklaus Franz von Bachmann, eine kurze Würdigung des ersten schweizerischen Generals, im Auftrag der General Bachmann-Gesellschaft. Küng, Näfels 2000
Müller-Landolt, Josef. Das Haus An-der-Letz: Bewohner und Besitzer. Volksblatt, 1963
Zwicky von Gauen, J. P.  Von Bachmann. In: Schweizerisches Geschlechterbuch IX 1953, S.1-41